Immuntherapie
schützt langfristig vor Asthma
Wien, 13. Juni 2006. Die spezifische Immuntherapie erzielt
sehr gute Behandlungserfolge bei allergischer Rhinitis und
bei allergischem Asthma.
Neue Studien und erweiterte Grundlagenkenntnisse führen fortwährend
zum Ausbau der Einsatzgebiete. Auf dem 25. Kongress der European
Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) in
Wien präsentierte Lars Jacobsen, Dänemark, 10-Jahresdaten
über den präventiven Nutzen der spezifischen Immuntherapie
(SIT) mit intakten Allergenen bei Asthma.
Jeder dritte Patient mit allergischer Rhinitis wird später
zum Asthmatiker. Denn häufig weitet sich die allergische Reaktionsbereitschaft
von der Nasen- auf die Bronchialschleimhaut aus. WHO und ARIA-Initiative
(Allergic Rhinitis and its impact on Asthma) betonen deshalb,
dass es sich bei der allergischen Rhinitis um eine „major
chronic respiratory disease“ handelt, die konsequent
behandelt werden muss.
In der von Jacobsen vorgestellte Preventive Allergy Treatment
(PAT) Studie waren Kinder mit Heuschnupfen aufgrund von Gräser-
und/oder Birkenpollen entweder rein symptomatisch oder mit
einer dreijährigen subkutanen SIT behandelt worden. Asthma
galt in beiden Gruppen zu Beginn der Studie als Ausschlusskriterium.
An der Studie waren Kliniken in Dänemark, Finnland, Schweden,
Österreich und Deutschland beteiligt.
Die multizentrische PAT-Studie zeigt, dass die kausal wirkende
SIT mit standardisierten funktionell intakten Allergenen bei
etwa der Hälfte der behandelten Heuschnupfen-Kindern die Entwicklung
eines Asthma bronchiale verhindern kann und dass dieser präventive
Effekt langfristig ist: Nach zehn Jahren waren 24 von 53 Kindern
– also 45 Prozent – aus der Kontrollgruppe zusätzlich
an Asthma erkrankt. In der Verumgruppe entwickelten dagegen
nur 16 von 64 Kindern (25 Prozent) Asthma. Eine dreijährige
SIT verhindert somit langfristig bei mindestens jedem zweiten
an allergischer Rhinitis erkrankten Kind Asthma. „Eine
spezifische Immuntherapie ist die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit
für Allergien. Wir wissen jetzt, dass diese Therapie auch
langfristig vor Asthma schützen kann“, sagte Jacobsen.
Bei der subkutanen SIT wird dem Patienten ein Allergenpräparat
in langsam ansteigenden Dosen regelmäßig unter die Haut injiziert.
Dadurch kommt es zu einer zunehmenden Toleranz des Immunsystems
gegenüber den Allergenen. Bei einer Pollenallergie liegen
die Erfolgsquoten der SIT bei bis zu 90 Prozent.
Die Beschwerden werden dauerhaft deutlich gelindert, und die
Patienten benötigen weniger antiallergische Medikamente. In
vielen Fällen bildet sich die allergische Reaktionsbereitschaft
des Immunsystems sogar vollständig zurück – der Patient
ist dann von seiner Allergie geheilt.
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