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Presseinformation

Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V. (DGAKI)
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA)


Allergologen bemängeln Budgetbegrenzung bei Kausaltherapie

Viel zu wenige Allergiker erhalten Immuntherapie

Lübeck, 26. September 2007 – In Deutschland sind fast 20 Millionen Menschen an einem allergischen Schnupfen (allergische Rhinitis, Heuschnupfen) erkrankt. Aber nur jeder Zweite lässt die Allergie ärztlich behandeln, nur ein Viertel der Betroffenen gelangt zu einem Facharzt und nur jeder zehnte Heuschnupfenpatient erhält eine spezifische Immuntherapie (SIT), schätzt der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). Dabei ist diese auch als Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung bezeichnete Therapie laut Weltgesundheits-Organisation (WHO) neben dem Meiden der Allergieauslöser die einzige kausale Behandlung bei allergischen Atemwegserkrankungen wie Heuschnupfen (Rhinitis) und Asthma. Als einzige Therapieform bietet die SIT Allergie-Patienten die Chance, ihre Krankheit dauerhaft zu heilen. Darüber hinaus wirkt die Immuntherapie im Sinne einer Allergie-Impfung präventiv. Sie kann den so genannten Etagenwechsel – die Entwicklung von Asthma bei bestehendem Heuschnupfen – und Sensibilisierungen gegen weitere Allergene verhindern.1

„Keine andere Therapie kann diese Ziele erreichen. Daher ist bei richtiger Indikationsstellung eine unwirtschaftliche Anwendung ausgeschlossen“, sagt der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, Professor Dr. Wolfgang Czech aus Villingen-Schwenningen. Er kritisierte auf dem 2. Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongress in Lübeck die unterschiedliche Bewertung der SIT in den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Nur acht von 17 KVen haben die SIT offiziell als Praxisbesonderheit anerkannt. „Viele allergologisch ausgebildete Ärzte müssen einen großen Aufwand betreiben, um die Wirtschaftlichkeit der von ihnen verordneten spezifischen Immuntherapie gegenüber ihrer regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) nachzuweisen. Dieser bürokratische Aufwand könnte durch eine generelle Anerkennung der SIT als Praxisbesonderheit beendet werden“, so Czech.

In der „Empfehlung zu Richtgrößen“ der KBV und der Spitzenverbände der Krankenkassen vom 21. Februar 20002 wird dargelegt, dass „bei der Bildung von Richtgrößen für Arzneimittel Verordnungen ausgenommen werden (können), bei denen keine Anhaltspunkte für eine unwirtschaftliche Anwendung, für eine Verordnung außerhalb der zugelassenen Indikation oder für eine Mengenausweitung bestehen.“ Die Verordnung von Allergen-Präparaten für die spezifische Immuntherapie durch allergologisch tätige Fachärzte erfüllt diese Kriterien. Gesundheitsökonomische Studien haben ein erhebliches Einsparpotenzial durch die SIT ermittelt. Professor Czech: „Es haben sich bisher keine Anhaltspunkte für eine unwirtschaftliche Anwendung der spezifischen Immuntherapie finden lassen. Im Gegenteil: Eine strenge Budgetbegrenzung würde möglicherweise zum vorzeitigen Abbruch der SIT und damit zu einer unwirtschaftlichen Anwendung führen.“

Ein vom Bundesministerium für Gesundheit bestellter Sachverständigenrat kam bereits 2001 zu dem Ergebnis, dass die spezifische Immuntherapie zu wenig und zu spät genutzt werde, obwohl diese Therapie das Risiko für zusätzliche Sensibilisierungen sowie eine fortschreitende Verschlechterung der Beschwerden reduziert und außerdem die Behandlungskosten senken kann.3

Voraussetzung für eine spezifische Immuntherapie ist die Diagnose durch den allergologisch erfahrenen Arzt. Die Indikation für eine SIT wird streng und nur bei entsprechender Therapietreue (Compliance) seitens des Patienten gestellt. Anwendungen außerhalb der Indikation sind wenig wahrscheinlich und bisher weder bekannt noch beschrieben. Selbst wenn die Immuntherapie aufgrund zunehmender Allergieraten vermehrt zur Anwendung käme, wären die kurzfristigen Auswirkungen auf die Gesamt-Arzneimittelkosten äußerst gering. Langfristig führt die SIT zu Einsparungen für das Gesundheitssystem in Millionenhöhe. Die Bestätigung der Allergen-Präparate für die SIT als Praxisbesonderheit würde die adäquate Versorgung von Allergie-Patienten verbessern. Professor Czech: „Präparate für die spezifische Immuntherapie erfüllen die gleichen Voraussetzungen wie Impflösungen und sollten daher endlich aus der Richtgrößenprüfung heraus genommen werden!“

 

Quellen

1.      Klimek, L.: Die SIT als Praxis-Besonderheit. Allergo Journal 10:461, 2001

2.      KBV und GKV-Spitzenverbände: Empfehlung zu Richtgrößen vom 21. Februar 2000.

3.      Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit. Band III Über-, Unter-, Fehlversorgung; Gutachten 2000/2001. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 2001. www.svr.de

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